Ayurveda und Psychosomatik

Geschrieben von David Batra
28.08.2019 Während in der modernen Medizin der Zusammenhang zwischen Körper und Psyche erst seit einem Jahrhundert vereinzelt berücksichtigt wird, wurde in der traditionellen indischen Medizin die Interaktion von Körper & und Geist schon vor Tausenden von Jahren beschrieben.

Bild: Dame© liza54500/Shutterstock

Psychosomatik im Westen
Sigmund Freud (1856 -1939) und Franz Gabriel Alexander (1891 – 1964) gelten als jene Begründer der psychosomatischen Medizin im Westen. Die menschliche Physiologie hat sich über Jahrhunderte nicht verändert, aber die Modernisierung und Industrialisierung schafften einen Nährboden für psychische Belastungen und somit psychosomatische Beschwerden.

Ayurvedische Sichtweise

Nach Ayurveda zeigt jedes Symptom einen Einfluss im körperlichen als auch im geistigen Bereich des Menschen an, das heißt, grundsätzlich kann jede Beschwerde psychosomatischen Ursprungs sein. Lässt sich also anhand einer ayurvedischen Anamnese die Hauptursache einer Disbalance im psychischen Bereich einordnen, so spricht man von einer psychosomatischen Störung. Chronisch emotionale Ungleichgewichte erzeugen funktionale Störungen, die dann weiter zu organischen Erkrankungen durch Störungen in den Geweben führen können.

Aus ayurvedischer Sicht besteht der Mensch aus 16 Kanalsystemen (Srotas) , durch welche der Informations- und Stoffaustausch möglich gemacht wird. Jedes System weist neben physiologischen Funktionen auch einen geistigen Themenbereich auf. Eine der 16 Kanäle befördert die Gedanken (Manovaha Srotas), wobei diese Impulse eng an das Nervensystem und die Gefühle gekoppelt sind. Die Beteiligung des Geistes in Form von Gedanken und der Verstandesfunktion erzeugt mit anderen verwandten Kanalsystemen die psychosomatische Erkrankung.

Distress ist ein Hauptfaktor für die Zerstörung dieses Kanalsystems, wobei im Ayurveda Stresshormone durch die Bioenergie von Vata gesteuert werden. Diese Grundkraft trägt unter anderem zur reibungslosen Funktion des Gehirns, des Herzens, des Geistes, der Blutgefäße, der Atmung und der Peristaltik bei.

Typische psychosomatische Zusammenhänge

In der klassischen Psychosomatik unterteilt man in vier Hauptgruppen:

1.)    Angststörungen                                        3.) Somatisierung

2.)    Depressionen                                            4.) Essstörungen

Somatisierung beschreibt die Neigung, körperliches Unwohlsein und Symptome, die nicht auf krankhafte Befunde zurückzuführen sind. Emotionale und psychische Disbalancen wirken sich demnach im Körper aus.

In den ayurvedischen Schriften werden als Krankheiten mit psychosomatischer Beteiligung ebenso Fieber, Blutungsübel, Husten, Tuberkulose, Eisenmangel (Anämie), Durchfall, Diabetes, Hauterkrankungen, Herzerkrankungen, chronische Gasbildung im Unterleib beschrieben.

Folgende Organe haben ayurvedisch betrachtet Verbindungen zur emotionalen Ebene:

Herz: Sorgen, mangelnde Liebe, Ablehnung, Scham

Leber: Wut, Hass, Frustration

Milz: Anhaftung, Trauer, Hoffnungslosigkeit, zuviel Stolz

Magen: Nervosität, Depression, Ekel, Genervtheit

Niere: Angst, Furcht

Schilddrüse: Ungelöste emotionale Probleme, Schuldgefühle

Die Definition von Gesundheit im Ayurveda vom ayurvedischen Chirurgen Susruta weist immer noch eine hohe Bedeutung in der Welt des Ayurveda auf. Ein Mensch ist demnach gesund wenn

  • die Bioenergien (Vata, Pitta, Kapha) sich in einem Zustand des Gleichgewichts befinden,
  • die verschiedenen Stoffwechselarten optimal funktionieren,
  • die Körpergewebe stabil und gut entwickelt sind,
  • die Abfallprodukte rechtzeitig und in bestmöglicher Quantität ausgeschieden werden,
  • die Sinnesorgane gut funktionieren und sich in einem positiven Zustand befinden,
  • die Person über Klarheit des Geistes, geistige Freude verfügt und
  • der positive Seelenzustand wahrgenommen wird.

Die ersten vier Eigenschaften betreffen die körperliche Gesundheit und die letzten drei die geistige. Neben Ayurveda bietet auch der Yoga Methoden zur geistigen Klärung an. Klarheit des Geistes entsteht gemäß beiden Lehren, wenn die Seele, das unsterbliche Selbst, sich mit dem Geist verbindet und der Geist mit den Sinnesorganen. So entsteht ein Handeln aus der natürlichen Intelligenz heraus.  Der psychosomatische Formenkreis stellt eine komplexe Thematik dar mit vielen Methoden von ärztlichen und nicht-ärztlichen Gesundheitsberatern, wobei der tatsächliche Erfolg zumeist leider noch nicht klar gemessen und bewiesen werden kann.

Bild: Narde, Elakshi Creative Business/shutterstock

Ayurvedische Kräuter 

Nadennähre: (Nardostachis jatamansi) Ein aufrechtes, mehrjähriges Kraut, 10-60 cm groß, auf einer Höhe von 3000 bis 5000 m im subalpinen Himalaya Gebiet vorkommend. Wirkt bei nervösen Kopfschmerzen, Hysterie, gegen Krämpfe, als Nerventonikum und bei Herzkreislaufstörungen.

Kalmus:(Acorus calamus) Die in mehreren Arten vorkommende Pflanze wird 60 bis 100 cm hoch. Sie besitzt einen etwa daumendicken Wurzelstock (Rhizom), der einen dreikantigen Stängel ausbildet.

Bild: Kalmus- Shansh23/shutterstock

Der Gehalt an  ätherischem Öl schwankt zwischen 1.7% und 8,7%. Gilt als Hirntonikum, Antidepressivum, Tinnitus beruhigende Arznei.

Johanniskraut (Hypericum Perforatum) Johanniskraut ist eine ausdauernde, aufrechte, im oberen Teil ästig verzweige Pflanze mit 20 bis 100 cm hoch wachsendem Stängel. Gilt als Antidepressivum, gegen Angst u. Anspannung, Nervenbeschwerden gegen Schlafstörungen

 

Bild:Johanniskraut Emilio100/Shutterstock

Indisches Wassernabelkraut (Centella Asiatica):  Ausdauernde Pflanze von zartem krautigen Wuchs. Die kreis- oder nierenförmigen Blätter stehen auf langen Stielen. Gilt als Hirntonikum, blutreinigend, hilft bei Störungen des Nervensystems, Konzentrations-u. Gedächtnisschwäche.

Bild: Wassernabelkraut – meafoto/Shutterstock

Autor: David Batra (Magister FH)

 

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